Weltwassertag 2026 „Water and Gender“ – what?
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Den folgenden Beitrag zu schreiben, ist für mich etwas ganz Besonderes. Ich bin die Katrin Zwickl, die Wasser-Bloggerin des Wasser-Info-Team Bayern e.V.

Seit über fünf Jahren schreibe ich inzwischen Blogbeiträge rund um das Thema Wasser für unseren tollen Verein. Der Mittelpunkt aller unserer Beiträge war immer das Wasser und in den Interviews natürlich unsere geschätzten Gäste. Und heute, zu unserem größten Feiertag in der Wasserwirtschaft, schreibe ich zum ersten Mal einen ganz persönlichen Beitrag. Aus meiner Perspektive. Weil das Motto des diesjährigen Weltwassertags mich so sehr inspiriert, dass ich den Presserat unseres Vereins gefragt habe, ob ich in diesem Jahr einen Beitrag „von mir“ schreiben darf. Und freundlicherweise habe ich das Go bekommen, vielen Dank dafür an dieser Stelle.

 „Water and Gender – Where Water Flows, Equality Grows“

Frei übersetzt lautet das Motto: „Wasser und Geschlecht(ergerechtigkeit) – wo Wasser fließt, wächst Gleichberechtigung“. Das Motto passt einfach zu gut zu mir und meinen Interessensschwerpunkten.

Wasser ist über die Jahre mein absolutes Lieblingsthema geworden. Ich kann mich zutiefst für Leitungen, Pumpen, Wasserschutzgebiete, Bodengesundheit und alles rund ums Wasser begeistern. Beim Wasser läuft irgendwie alles zusammen: Umweltschutz, Politik, Generationenverantwortung, Technik und gesellschaftliche Themen. Wasser ist unser Lebenselixier und unser Lebensmittel Nummer 1.

Mein zweites Lieblingsthema ist Feminismus. Ich bin eine leidenschaftliche Kämpferin für Geschlechtergerechtigkeit. Ich diskutiere, lese Bücher, teile Social Media-Beiträge, und feiere jede Schwester im Geiste, die wie ich nicht müde wird, auf die Ungerechtigkeiten in der Welt hinzuweisen und sie an winzigen Mini-Stellen etwas besser zu machen.

Als ich das Motto des Weltwassertags 2026 gelesen hab, war ich gehyped! Meine beiden Lebensthemen vereint im Motto des Internationalen Tags des Wassers!

Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass diese beiden Themenbereiche nicht zusammenpassen. Bei genauerem Hinsehen ist das aber ein perfektes Match.

Wenn man sich entsprechende Zahlen und Daten anschaut, wird der Zusammenhang sehr schnell deutlich:

Rund 1,8 Milliarden Menschen weltweit haben in ihrem Zuhause keinen eigenen Wasseranschluss. Das Wasser muss teilweise über weite Strecken nach Hause getragen werden. Im überwiegenden Teil der Fälle machen diese Arbeit Frauen und Mädchen.

Laut Statistik sind es in sehr trockenen Gebieten bis zu zwei Stunden pro Tag, die nur für die Beschaffung von Wasser aufgebracht werden müssen. Zwei Stunden jeden Tag zu Fuß unterwegs zu sein – das sind zwei Stunden, die für Erwerbsarbeit, Bildung oder Erholung fehlen. Und der Klimawandel wird mittelfristig die Situation noch weiter verschärfen.

Hinzu kommt, dass die Wege zum Wasser gefährlich sein können. Übergriffe auf Frauen sind weltweit nicht nur auf dem Weg zum Wasserholen traurige Realität.

Doch nicht nur wenn es um Trinkwasser geht, sind Frauen oft benachteiligt – fast noch schlimmer ist die Situation beim Thema Abwasserentsorgung. In vielen Ländern gibt es keine hygienische Abwasserentsorgung und Milliarden von Menschen haben zuhause keinerlei sanitäre Anlagen. Frauen leiden darunter noch stärker – haben sie ja in Zeiten von Menstruation, Schwangerschaft oder Geburt einen immens erhöhten Bedarf an Hygienemaßnahmen.

Durch fehlendes Klo und Waschbecken zuhause müssen Menschen weltweit auf öffentliche Toiletten zugreifen. Die kosten zum einen Geld (von dem auch die Frauen weit weniger zur Verfügung haben als Männer) und zum anderen sind sie gefährliche Orte. Es gibt zahlreiche Regionen in der Welt, wo Frauen nur bei Tageslicht zum öffentlichen Klo gehen. In der Nacht ist es zu gefährlich.

Immer wieder sterben insbesondere Frauen und Kinder an Infektionskrankheiten durch Keime aus Abwasser oder im Trinkwasser, an fehlender Gesundheitsbildung aufgrund von mangelnder Schulbildung oder durch Gewalt gegen sie auf dem Weg zum Brunnen oder zum WC. Das Motto „Water and Gender“ soll Bewusstsein für all diese schlimmen Zustände schaffen. Bewusstsein ist immer der Beginn jeglicher Veränderung.

Das Thema Wasser und Geschlechtergerechtigkeit betrifft aber nicht nur den Globalen Süden, sondern auch uns in Mitteleuropa. Zwar sind unsere Probleme nicht mit denen in Schwellen- und Entwicklungsländern zu vergleichen – wir haben (noch) Wasser en masse und jederzeit reinstes Wasser aus dem Hahn. Doch auch in unserer Wasserwirtschaft gibt es Ungerechtigkeiten. Und die haben ihren Ursprung meistens in gesellschaftlich tradierten, veralteten Rollenbildern.

Mädchen können keine schwere Arbeit machen, Mädchen sind schlecht in Mathe, Ingenieur werden nur Männer, und so weiter. Im Bayerischen Landtag sitzen gerade mal 25,1 Prozent Frauen, und nur 10 Prozent aller bayerischen Bürgermeister*innen sind Frauen. Dadurch sind natürlich auch die meisten Verbandsräte, also die „Chefs“ der Wasserzweckverbände und Stadtwerke, Männer.

Die Frage stellt sich natürlich, wieso es so wenige Frauen in Entscheiderinnen-Posten gibt. Das liegt sicher nicht an fehlender Kompetenz. Es sind eben eher diese alten Rollenbilder: Zeigt ein Mann Willensstärke, ist er durchsetzungsfähig. Verhält sich eine Frau ebenso, ist sie schnell mal eine Kratzbürste. Ich gehe jede Wette ein, dass jede einzelne Frau, die diesen Beitrag liest, diese Erfahrung in irgendeiner Weise bestätigen kann. Jede von uns wurde schon mal untergebuttert, unterbrochen, ge-mansplaint (wenn Männer Frauen Dinge auf eine bevormundende Art erklären), nicht ernst genommen, usw.

Es gibt auch nur wenige Wassermeisterinnen in Bayern. Das ist richtig schade, weil dieser Beruf eine tolle Tätigkeit ist für alle, die gerne mit ihren Händen etwas erschaffen und sich eine sinnstiftende Arbeit wünschen.

Es gibt einfach immer noch viel zu viele Vorurteile, was „Frauenarbeit“ und was „Männerarbeit“ ist.

Wir müssen diese Geschlechterrollen endlich aufbrechen. Wir alle – Männer und Frauen – müssen diese uralten Rollenverteilungen überwinden. Mädchen sind nicht schlecht in Mathe! Und ein Ingenieursstudium hat auch bei Weitem nicht so viel Mathe in sich, wie man vielleicht denken mag. (Das haben mir zumindest erst kürzlich einige junge Ingenieurinnen versichert.) Und Mädchen können natürlich Wassermeisterin, Landmaschinenmechanikerin oder Heizungsbauerin werden. Ob man lieber körperlich arbeitet, oder seinen Arbeitsalltag lieber im Büro verbringt, ist nicht geschlechtsabhängig!

Mädchen, traut Euch!

Ladies, werdet Quereinsteigerinnen!

Das Wasser braucht Euch. Und damit würdet Ihr einen riesigen Beitrag zu beidem leisten – Wasser und Geschlechtergerechtigkeit.

Ein Wort noch zum Wasser-Info-Team: Die Führung des Vereins besteht aus dem Vorstand, das sind fünf Männer, und mir. Ich bin nicht nur die Bloggerin, sondern hab auch die Ehre, Geschäftsführerin vom zauberhaften Verein zu sein. Und ich möchte an dieser Stelle eine Lanze für „meinen“ Vorstand brechen. In den vielen Jahren der Zusammenarbeit hatte ich nie das Gefühl, dass das bei uns irgendeine Rolle spielen würde. Ich hatte immer das vollste Vertrauen des gesamten Vorstands. Und das ist keine Selbstverständlichkeit. Und dafür möchte ich mich am Weltwassertag bei Euch bedanken, meine verehrten Vorstände und Kollegen!  

Quellen: Progress on household drinking water, sanitation and hygiene 2000-2022: Special focus on gender – UNICEF DATA, Studie der Zeitschrift Nature Climate Change

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