
(Das Interview führte wie gewohnt Wasser-Bloggerin Katrin Zwickl.)
WIT: „Hallo Herr Rappl, und herzlich willkommen zum WIT-Interview! Vielen Dank, dass Sie sich heute Zeit nehmen, ein bisschen mit mir über die Wasserwirtschaft in Bayern und unser Lieblingsthema, das Wasser, zu plaudern.“
Marian Rappl: „Vielen Dank für die Einladung, ich freu mich auch.“
Herr Rappl ist Hauptgeschäftsführer des VBEW, des Verbands der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft e.V., und er ist wirklich ein ziemlich cooler Typ. Er hat Geschichte und Politikwissenschaften studiert, ist humorvoll und redegewandt und er war viele Jahre in der Unternehmenskommunikation und noch mehr Jahre in der Energie- und Wasserwirtschaft unterwegs. Das merkt man auch sofort: Wenn er spricht, hört man einfach gern zu. Er ist unterhaltsam und ein Profi auf seinen Fachgebieten – das sind Verbandsmanagement, Kommunikation, Wasser- und Energiewirtschaft. Er kann Menschen begeistern, und genau das ist es, was wir heute ein weiteres Mal für Sie erreichen wollen, liebe Leserinnen und Leser. Auch heute wollen wir Ihnen wieder Lust machen auf Wasserwissen rund um die bayerische Wasserversorgung.
WIT: „Sie wissen ja – unsere Interviews bestehen immer nur aus zwei Fragen. Dann lassen Sie uns doch direkt mit der ersten Frage starten. Was ist denn Ihr persönliches Wasser-Lieblingsthema?“
Marian Rappl antwortet amüsiert: „Ja also – ich hab vor dem Interview schon überlegt, wenn ich Ihnen jetzt ganz kurze einsilbige Antworten gebe, dann bin ich ganz schnell durch mit dem Interview und kann weiterarbeiten, oder?“
Das ist wirklich mal ein lustiger Einstieg ins WIT-Interview. Ich antworte lachend: „Bei mir ist bisher noch niemand mit einsilbigen Antworten durchgekommen. Der Ruf eilt mir schon lange voraus und Sie haben ja bestimmt an den anderen Interviews gesehen, dass die immer recht lang und trotzdem äußerst kurzweilig sind. Und wir haben wirklich viele treue Leserinnen und Leser, die sich die Texte tatsächlich von vorn bis hinten durchlesen! Ich fürchte, aus Ihrem Plan wird nichts werden. Aber erzählen Sie uns doch einfach mal: Was ist denn Ihr Wasser-Lieblingsthema?“
Marian Rappl: „Mein Wasserlieblingsthema ist in der Tat der Begriff Lebensmittel Nummer 1. Das ist ja eine Redewendung, die wir sehr oft hören und lesen in Zusammenhang mit unserem Trinkwasser, und sie zeigt die Bedeutung und Relevanz des gesamten Wasser-Themas. Er zeigt, dass Wasser etwas Emotionales ist, etwas, wofür es sich lohnt zu kämpfen und zu streiten. Etwas, das die Unternehmen und auch die Menschen, die in den Unternehmen arbeiten, prägt. Die Menschen in der Wasserwirtschaft identifizieren sich in hohem Maße mit dem, was sie tun. Sie haben einen hohen Anspruch an ihre Arbeit und an ihr Produkt, das Trinkwasser. Das finde ich bemerkenswert.
Und die Wasserversorgungsunternehmen und die bayerische Wasserwirtschaft sind wie eine große Familie,. Man trifft viele interessante Leute, und damit wären wir wieder bei meinem Lieblingsbegriff „Lebensmittel Nummer 1“ – das ist etwas Emotionales. Und es ist ein tolles Produkt.“
WIT: „Ja, Trinkwasser ist wirklich ein tolles Produkt. Und das mit dem Lebensmittel Nummer 1 stimmt definitiv zu 100 Prozent – auf Vieles kann man verzichten, auf manches zumindest eine Zeit lang. Auf Wasser nicht.“
Marian Rappl: „Ja – ohne Wasser geht das Leben am schnellsten zu Ende. Ohne Strom wird es zwar auch sehr hart und ohne Abwasserentsorgung möchte man auch nicht wirklich dastehen…“
WIT: „…ja, dann werden die Menschen sehr schnell krank. Ich finde es immer wieder faszinierend, dass Abwasser einer der Hauptgründe für unsere lange Lebenserwartung ist, weil wir länger gesund bleiben.“
Marian Rappl: „Das stimmt absolut. Abwasserentsorgung ist ein unverzichtbarer Bereich der Daseinsvorsorge. Der VBEW repräsentiert mit seinen über 400 Mitgliedsunternehmen nicht nur die Wasserwirtschaft, sondern auch die Abwasserwirtschaft – und natürlich auch die gesamte Energieversorgung. Ein Punkt, warum ich Wasser so mag, ist, weil es so anders ist als Energie. In meinem Job habe ich unglaublich viel mit Energie zu tun und Wasser ist da einfach anders. Wasser ist eine andere Welt und das macht Spaß.“
WIT: „Sind beim VBEW auch Abfüll-Unternehmen für Flaschenwasser organisiert?“
Marian Rappl: „Nein, wir sind nur für die Unternehmen der Daseinsvorsorge zuständig. In der Hierarchie ist Flaschenwasser Stufe 2. Zuerst kommt die Daseinsvorsorge und der Vorrang der öffentlichen Wasserwirtschaft, dann kommt lange nichts und dann kommen die Abfüll-Betriebe. Ohne Trinkwasser geht nichts, ohne Flaschenwasser geht es bei uns schon. Die öffentliche Wasserversorgung hat für unsere Gesellschaft einen außerordentlich großen Wert. Das sollte eigentlich jedem klar sein, aber es schadet nicht, wenn man es immer wieder mal klar ausspricht.“
WIT: „Das geht uns vom Wasser-Info-Team runter wie naturreines Leitungswasser, wenn Sie die Dinge so deutlich ansprechen!“
Marian Rappl: „Trinkwasser ist Daseinsvorsorge, Mineralwasser nicht. Das, was unsere Unternehmen hier in Bayern zur Verfügung stellen, hat höchste Qualität. Nicht ohne Grund ist die Trinkwasserverordnung eines der strengsten Regelwerke für ein Lebensmittel. Das Wasser, das in Bayern und auch in Deutschland von den Wasserversorgern an die Verbraucher und Verbraucherinnen geliefert wird, ist weltweit top. Und es ist ein ausgesprochen günstiges Produkt. Und das trotz der Tatsache, dass es dafür eine aufwändige Infrastruktur braucht. Dass es so günstig ist – ein Liter kostet im Durchschnitt in Deutschland gerade mal 0,2 Cent – zeigt auch, wie effizient die Kolleginnen und Kollegen in den Wasserversorgungsunternehmen arbeiten.“
WIT: „Ich merke, Sie sind ein Experte auf Ihren Gebieten. Jetzt bin ich neugierig – ich weiß ja schon, dass Sie Historiker und Politikwissenschaftler sind. Wie sind Sie zu Ihrer Tätigkeit beim VBEW gekommen?“
Marian Rappl: „Ich habe nach meinem Studium sehr schnell gemerkt, dass es mir sehr viel Spaß macht, Menschen, Unternehmen und Organisationen auf der Grundlage klarer Strategien, mit innovativen Maßnahmen zu positionieren und erfolgreich zu machen. Beruflich bin ich bei der Allianz AG gestartet und dann 2001 in die Energie- und Wasserwirtschaft gewechselt, sowohl auf Verbandsseite beim Bundesverband der Gas- und Wasserwirtschaft, als auch auf Unternehmensseite bei Amprion, RWE Vertrieb und innogy. Nach meiner Rückkehr nach Bayern zum Verband der bayerischen Druckindustrie bin ich dann Mitte 2024 sozusagen zurückgekehrt in die Familie der Energie- und Wasserwirtschaft – um mich mit starker Stimme für die Interessen meiner Mitglieder einzusetzen.
WIT (überrascht): „Für die Interessen der Mitglieder einsetzen, das heißt: Der VBEW ist ein Lobbyverband?“
Marian Rappl: „Wir vertreten die Interessen unserer Mitgliedsunternehmen gegenüber allen Stakeholdern und also auch gegenüber der Politik. Also ja, wir sind ein Lobbyverband. Es ist äußerst wichtig, dass wir als Fachverband unsere Meinung in den Gesetzgebungsprozesse oder auch die öffentliche Diskussion einbringen, denn wir können alle geplanten Maßnahmen immer einem Praxischeck unterziehen: ist das für die Unternehmen leistbar, ist das sinnvoll, führt das zum angestrebten Ergebnis – oder schafft es nur mehr Bürokratie. Genau diese Fagen beantworten wir und zwar mit einer starken und wenn es sein muss auch lauten Stimme, weil wir eben für eine ganze Branche sprechen.“
WIT: „Bei der Kleinteiligkeit, die wir in der Wasserversorgung in Bayern haben, ist das bestimmt schwierig.“
Marian Rappl: „Na gut, in Bayern gibt es rund 2.200 Wasserversorger. Davon sind nicht alle bei uns Mitglied. Betrachtet man jedoch die Zahl der versorgten Einwohnerinnen und Einwohner sowie die verteilte Wassermenge, bilden unsere Mitglieder die große Mehrheit ab. Sehr kleine Wasserversorger sind bei uns weniger zu finden.“
WIT: „Und warum ist das so?“
Marian Rappl: „Die im VBEW vertretenen Unternehmen haben einen sehr hohen Qualitätsanspruch und wir sind schon der Meinung, dass größere Einheiten oder Kooperationen Sinn machen können, zum Beispiel im Hinblick auf Fachkräftemangel, Klimaresilienz oder Redundanz, also einem zweiten Standbein, wenn eine Hauptleitung oder ein Brunnen mal nicht zur Verfügung stehen. Aber ich möchte auch eine Lanze für die kleinen Versorger brechen, die eine hochwertige Trinkwasserversorgung und guten Service hinbekommen. Dann spricht nichts gegen Kleinteiligkeit.“
WIT: „Heute haben wir wieder richtig viel gelernt im Gespräch mit Ihnen! Vielleicht kommen wir an diesem Punkt zur zweiten und abschließenden Frage: Was wollen Sie unseren Leserinnen und Lesern gerne persönlich mit auf den Weg geben?“
Marian Rappl antwortet wieder ein bisschen schelmisch: „Tja – jetzt habe ich ja schon so viel gesagt.“ Und nach einer kurzen Pause: „Es ist ganz wichtig, dass jedem bewusst ist, dass Wasser etwas ist, was man schätzen und schützen muss. Und auch, was es für eine Leistung ist, so ein perfektes Produkt zu liefern. Der Klimawandel wirkt sich spürbar auf das Wasserdargebot aus, hier gibt es dringdnen Handlungsbedarf. Und es stellt sich auch die Frage, wie wir unsere Infrastruktur besser schützen und auf systematische Bedrohungen vorbereiten können – zum Beispiel im Verteidigungsfall. Die Aufgaben der Wasserwirtschaft werden komplexer und finanziell anspruchsvoller. Die Zeiten großzügiger Finanzierung sind vorbei, Investitionen müssen heute sehr viel sorgfältiger abgewogen werden.Mindestens genauso wichtiger ist es aber, die Leistungsfähigkeit der Wasserwirtschaft zu betonen: wir liefern ein Produkt in höchster Qualität, rund um die Uhr. Und der VBEW unterstützt dabei seine Mitglieder umfassend – die großen genau so wie die kleinen.“
WIT: Vielen Dank für das Interview, das war wirklich eine ausgesprochen schöne und lehrreiche Stunde!
Marian Rappl: „Sehr gerne. Hat großen Spaß gemacht, vielen Dank an das Wasser-Info-Team Bayern.“
