
WIT: „Hallo Herr Huber, herzlich willkommen zum WIT-Interview und vielen Dank, dass Sie sich heute Zeit nehmen, mit uns ein bisschen übers Wasser zu plaudern! Was mich am Interview heute ganz besonders freut, ist der direkte Draht zu einer Behörde, die so eine wichtige Schlüsselrolle für unser Trinkwasser spielt. Haben Sie Lust, sich zuerst einmal unseren Leserinnen und Lesern vorzustellen?“
Das Interview findet wie gewohnt online statt und Herr Huber strahlt richtiggehend in die Kamera. Er hat sich perfekt auf unser Gespräch vorbereitet und wir merken sofort, wie medienkompetent und wasserbegeistert unser heutiger Interviewpartner ist. Im Verlauf unserer Unterhaltung erzählt er uns, dass er öfter von unterschiedlichen Medien zu aktuellen Themen befragt wird – Wasser wird das Thema Nummer 1 und er ist ganz offensichtlich bestens für diese Zukunft gerüstet. Er hat sogar in der Vergangenheit eine Fortbildung zum Thema „Umgang mit Medien“ mitgemacht, die von einem Journalisten angeboten wurde. Das zahlt sich natürlich aus – er wurde auch schon vom ZDF zu einem spannenden Wasserthema interviewt! Und heute dürfen wir uns mit ihm unterhalten – erfreuen Sie sich heute, liebe Leserinnen und Leser, an einem tollen Wasser-Plausch auf höchstem Niveau!
Andreas Huber: „Ja klar – danke für die Einladung, ich freu mich auch sehr, hier zu sein. Und ja, gerne, dann stelle ich mich zuerst einmal vor: Ich bin Andreas Huber, ich arbeite am Wasserwirtschaftsamt Ingolstadt im Bereich Wasserversorgung, Grundwasser- und Bodenschutz. Unser Bereich beinhaltet Grundwasserschutz, Altlasten, Genehmigungsverfahren für Rohstoffabbau, und vieles mehr. Und wir kontrollieren auch die Wasserversorger. Hier gibt es viel zu tun, das ist definitiv ein größeres Thema, als man sich das von außen zunächst vorstellen würde. Insgesamt haben wir sehr viele verschiedene Tätigkeiten und es ist fast ein bisschen schwierig, das zu erklären. Die meisten Leute haben ja wenig mit den Wasserwirtschaftsämtern zu tun. Grundsätzlich ist es so: Es gibt zig Entnahmen aus dem Grundwasser. Das geht von Industrie über die Landwirtschaft, über die Wasserversorger, bis hin zu kleinen Gartenbrunnen. Das läuft alles bei uns ein. Eigentlich zuerst beim Landratsamt, und die binden uns dann als Fachbehörde mit ein. Wasser ist unser „Belang“, wie es so schön auf amtsdeutsch heißt, daneben gibt es auch noch andere „Belange“. Wenn nun ein neuer Antrag kommt, zum Beispiel auf einen Brunnen, oder ein Bauvorhaben, oder Ähnliches, geben alle eingebundenen Behörden ihre Stellungnahmen ab und die Verwaltungen müssen abwägen und daraufhin eine Entscheidung treffen. Wasser hat eine gehobene Stellung. Wir geben keine „Stellungnahmen“ ab, sondern wir erstellen dann Gutachten. Dadurch, dass Wasser so eine wertvolle Ressource ist, haben unsere Gutachten dann immer ein großes Gewicht bei den Verwaltungsentscheidungen.
Das alles ist wirklich hochinteressant, man glaubt gar nicht, wofür Wasser alles benötigt wird! Da ist die Getränkeindustrie, dann für die Produktion von Lebensmitteln, von Papier, in der Chemieindustrie, und so vieles mehr. Überall ist Wasser dabei. Früher dachte man, Wasser gibt es in Hülle und Fülle, heute haben wir deutlich bessere Daten und wir müssen feststellen: Das ist nicht mehr ganz so der Fall. Es gibt ja auch ganz unterschiedliche Wasser-Arten, die in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt werden. Nehmen wir zum Beispiel das „Tiefengrundwasser“. Schon allein der Begriff ist schwierig, wir nennen es ‚langsam regenerierendes Wasser‘. Das Wasser ist ja nicht einfach in der Tiefe, sondern es entsteht in der Tiefe. Es gibt Niederschläge, die speisen das Grundwasser. Aber nur ein Bruchteil der Niederschläge wird ja Grundwasser. Ganz oft fließt es auch einfach direkt über die Flüsse und Gewässer ab und kommt gar nicht in der Tiefe an. Und das Wasser, das dann am Ende in der Tiefe ankommt und Grundwasser wird, mit dem muss man eben sorgsam haushalten. Was man auch wissen muss: Es gibt beim Wasser zwei Hauptfaktoren, die man beachten muss. Das sind Qualität und Quantität. Wir leben in Zeiten des Klimawandels. Lange Trockenphasen haben immer einen Einfluss auf das Grundwasser. Das ist auch ein Problem bei vielen Menschen, die sich nicht so intensiv mit dem Wasser-Thema beschäftigen: Wenn es regnet, denken die Leute gern, jetzt ist das Grundwasser wieder aufgefüllt! So einfach ist das aber nicht. Grade beim „Tiefengrundwasser“ dauert das bis zu 1000 Jahren, bis der Regen zu Grundwasser wird. Das Alter von Wasser kann man durch bestimmte Verfahren sehr präzise ermitteln. Dieses sehr alte und reine Wasser wird auch zum Teil für die Wasserversorgung verwendet. Da muss man einfach inzwischen sehr aufpassen, für welche Zwecke das Wasser am Ende genützt wird.“
WIT: „Das ist wirklich alles wahnsinnig spannend! Sie wären ganz sicher auch ein superguter Lehrer geworden! Heute lernen unsere Leserinnen und Leser bestimmt wieder richtig viel! Sie haben noch gar nicht erzählt, wie Ihr Werdegang war – Sie haben bestimmt studiert, oder?“
Andreas Huber: „Ich hab Bauingenieurwesen an der TU München studiert. Das ist in der Wasserversorgung fast ein bisschen ungewöhnlich. Die meisten meiner Kolleginnen und Kollegen sind Geologen oder Hydrogeologen. Wasserbau und Wasserversorgung sind aber eben auch ein Teil des Bauingenieur-Studiums. Mein Referendariat hab ich in der Wasserwirtschaftsverwaltung gemacht, danach stehen einem viele Türen offen. Es ist einfach ein sehr facettenreiches Fachgebiet. Ich hab angefangen mit einem größeren Projekt für Hochwasserschutz, und im Anschluss bin ich hier gelandet. Das macht es eben auch so interessant, dass es so viele Tätigkeitsfelder gibt. Der Höhepunkt meines Studiums war eindeutig ein DAAD-Austausch in Jordanien. Dadurch, dass es dort nur so wenig Wasser gibt, hat es einen ganz anderen Stellenwert als bei uns. Dort gibt es Tage, da kommt kein Wasser aus dem Netz. Das ist ein anderes „Kaliber“ als bei uns.“
WIT: „Ja, wir sagen ja immer wieder, dass wir hier im Paradies leben. Man muss sich das immer wieder vor Augen führen, dass wir in einem Lebensmittel baden, wenn wir uns eine Wanne einlassen. Das ist einfach viel zu wenigen Menschen bewusst.“
Andreas Huber: „Ich kann das nur bestätigen. Ich gehe regelmäßig mit Praktikanten zur hiesigen Wasserversorgung – da gehen den jungen Leuten die Augen immer sehr auf. In Ingolstadt musste zum Beispiel der Brunnen überbohrt werden. Das geht über 100 Meter in die Tiefe und es ist ein riesiger Aufwand. Erst wenn sie so etwas sehen, wird vielen klar: Das ist alles nicht selbstverständlich. Hier in Ingolstadt kommt der größte Teil des Wassers aus Tiefengrundwasser. Die Wasserentnahme ist bei uns so überreizt, dass man nach Lösungen zum Wassersparen sucht. Deswegen haben wir einen sogenannten Uferfiltratbrunnen in Donaunähe. Aber das ist schwierig mit Stoffeinträgen – sie sehen, das ist ein weites und breites Feld.“
WIT: „Das ist ja so wahr – und wir könnten Ihnen noch stundenlang lauschen! Es ist toll, wie begeistert Sie vom Wasserthema sind und wie unglaublich viel Sie wissen! Aber das verschieben wir einfach auf das nächste Interview, einverstanden? Vielleicht wäre an dieser Stelle ein guter Zeitpunkt für unsere allseits bekannte Frage an alle unsere Interviewpartner*innen: Was ist denn unter den vielen interessanten Bereichen Ihr persönliches Wasser-Lieblingsthema?“
Andreas Huber: „Ich finde tatsächlich die öffentliche Wasserversorgung sehr interessant. Deshalb wäre auch meine Botschaft, dass man sich wirklich mal so ein Wasserwerk anschaut. Wenn man das ganz konkret vor Augen hat, bekommt man schon ein Bewusstsein dafür, dass es eben nicht selbstverständlich ist, dass man den Hahn aufdreht und dort Wasser in Topqualität rauskommt.“
WIT: „Das ist ja ein supergutes Lieblingsthema und gleich noch in Verbindung mit der Botschaft an unsere Leserinnen und Leser! Vielen Dank für das schöne Interview, lieber Herr Huber. Das hat wirklich Spaß gemacht!“
Andreas Huber: „Vielen Dank auch von meiner und unserer Seite! Mir hat es auch großen Spaß gemacht. Viele Grüße an das gesamte Team und natürlich auch an Ihre Leserinnen und Leser!“
Und jetzt, liebe WIT-Fans, wissen Sie, was zu tun ist: Folgen Sie der Empfehlung von Herrn Huber! Gehen Sie beim nächsten Tag der Offenen Tür unbedingt zu Ihrem örtlichen Wasserversorger und schauen Sie sich die Anlagen einmal mit Ihren eigenen Augen an. Das ist nicht nur ganz narrisch interessant, sondern wird auch Ihren Blick auf unser Lebensmittel Nummer 1 für immer verändern.
