
Vor einiger Zeit durfte das Wasser-Info-Team zu Gast sein bei der Reckenberg-Gruppe in Franken, genauer gesagt, im Wasserwerk Wassermungenau. Werkleiter Christof Lautner ermöglichte uns beeindruckende Einblicke in seinen vorbildlichen Betrieb, an denen wir Sie, liebe Leserinnen und Leser, unbedingt teilhaben lassen wollen.
Die Aufgabe der meisten Wasserversorger in Bayern ist es, die örtliche Bevölkerung mit hochwertigem Trinkwasser zu versorgen. Bei einigen, sehr großen Betrieben, kommt eine zusätzliche Aufgabe hinzu: Sie beliefern nicht nur die Haushalte und Unternehmen im Versorgungsgebiet mit ihrem Wasser, sondern sie transportieren ihr Wasser auch über weite Strecken zu anderen „wasserversorgenden Unternehmen“ (WVUs), also Wasserzweckverbänden oder Stadtwerken, die dieses Wasser dann an die Abnehmer in deren Versorgungsgebiet weiterverteilen.
Das nennt man dann „Fernwasserversorgung“. Die Reckenberg-Gruppe gehört zum sogenannten „Ausgleichs- und Verbundsystem der Wasserversorgung in Nordbayern“. Sie stellt zusammen mit 5 anderen WVUs sicher, dass auch der insgesamt recht wasserarme und trockene Norden/Nordosten Bayerns immer genug Wasser zur Verfügung hat.
Eine große Aufgabe! Davon, wie leistungsfähig und supermodern der Betrieb aufgestellt ist, bekommt man schon einen Eindruck, wenn man über die Landstraße auf den Ort Wassermungenau zufährt. Das Verwaltungsgebäude des Zweckverbands ist wirklich imposant, architektonisch eindrucksvoll, und schon von Weitem zu sehen. Ab diesem Zeitpunkt, liebe Leserinnen und Leser, sind wir aus dem Staunen nicht mehr rausgekommen!

Zum Start in den Tag gab es zuerst einen spannenden Impulsvortrag von Christof Lautner, in dem er uns über seinen Zweckverband und dessen Aufgaben, Herausforderungen und Leistungen ausführlich und kurzweilig informierte.
Das aber natürlich erst nach dem Frühstück – wer uns schon länger folgt, weiß, dass die Bayerische Wasserwirtschaft höchsten Wert auf exzellente Rundumverpflegung legt. (By the way: Ein weiteres Argument, sich für einen Job in der Wasserwirtschaft zu interessieren – spannende Themen und immer bestes Essen!)
Beim Impulsvortrag ging es zuerst um die allgemeinen Daten des Betriebs: Wie schon erwähnt, hat die Reckenberg-Gruppe zwei Geschäftsbereiche. Die Mitwirkung bei der Fernwasserversorgung des Verbundsystems Nordbayern, und die Versorgung der Haushalte und Betriebe im eigenen Verbandsgebiet.
Das Verbandsgebiet umfasst eine Fläche von ca. 795 km2 in den Landkreisen Ansbach, Roth und Weißenburg-Gunzenhausen. Es besteht aus insgesamt 21 Gemeinden – in diese Gemeinden, und über die Fernwasserleitungen auch in entferntere Regionen liefert der Zweckverband unglaubliche 6.700.000.000 Liter im Jahr. In Worten: sechs Milliarden siebenhundert Millionen!
Wo so viel Wasser fließt, ist auch eine Menge KnowHow und Verantwortung gefragt. Dass beides hier vorhanden ist, spürt und sieht man an jeder Ecke. Der Betrieb und seine Anlagen sind mehrfach zertifiziert – unter anderem sind sie bereits seit 1995 Mitglied im Umweltpakt Bayern, sind TSM-geprüft (eine wichtige Zertifizierung im technischen Bereich), und haben eine „EMAS“ Zertifizierung. EMAS ist weltweit anerkannt und gilt als das anspruchsvollste Umweltmanagementsystem.
EMAS bewertet alle betrieblichen Kernthemen wie Wasser, Abwasser, Energie usw., aber auch die Aspekte der Förderung der Biodiversität und der Öffentlichkeitsarbeit sind für dieses Zertifikat von Bedeutung.
Kein Wunder, dass die Reckenberg-Gruppe diese Auszeichnung innehat – sie lässt sogar Wasserschutz-Honig von den eigenen Blühflächen in den Wasserschutzgebieten erzeugen!

Wir haben beim Vortrag viel gelernt – von der Senkung der Nitratwerte im Lauf der vergangenen Jahre und Jahrzehnte, über Energieeffizienz in einem Wasserwerk bis hin zu der Tatsache, dass das Wasserwerk auf 100% Ökostrom setzt!
Wer noch mehr über diesen erstaunlichen Wasserversorger wissen möchte, dem sei an dieser Stelle die Homepage des ZV-RBG empfohlen: Zweckverband zur Wasserversorgung der Reckenberg-Gruppe (RBG) (Ein Besuch auf den Seiten lohnt sich auf jeden Fall. Sie sind voller interessanter, ausgesprochen gut aufbereiteter Infos.)
Nach Frühstück und Vortrag ging es dann los zur Besichtigung des Wasserwerks. Selbst für die „alten Hasen“ der Wasserwirtschaft gibt so ein Rundgang immer wieder Anlass zum Staunen – und auch, um ein bisschen verspielt zu sein. Die riesigen Armaturen laden einfach zu Schabernack ein.

So viel Wasser muss natürlich gespeichert, aufbereitet und rund um die Uhr gepumpt werden. Die immensen Leitungen verraten die Dimensionen, in denen hier gedacht und gearbeitet wird. Geheizt wird der gesamte Betrieb mit Wärmepumpen – auch hier wieder mit 100% Ökostrom. Die fränkischen Kollegen und Kolleginnen machen ihre Arbeit eindeutig mit Herzblut – und mit Hirn. „Geht nicht, gibt´s nicht!“, ist hier ganz offensichtlich die Devise.
Trotz der hohen Standards kann sich der Wasserpreis im Versorgungsgebiet sehen lassen: Für einen Kubikmeter, also für tausend Liter Wasser, liegt der Preis inklusive der Jahresgebühr für den Wasserzähler und der Mehrwertsteuer bei 3,78 Euro. Das sind ungefähr 0,38 Cent pro Liter!
Fun Fact: Dieser Betrag ist so gering, dass ein einziges Centstück bereits für fast 3 Liter Wasser reicht! Erstaunlich, oder??
Nach dem Rundgang durch das Wasserwerk, die Garagen und die großzügigen Werkstatt-Gebäude kommen wir wieder zurück in den Versammlungsraum. Auch dieser ist übrigens nicht minder beachtlich, als der Rest des Wasserwerks – große runde Leuchtringe an der Decke geben angenehmes Licht, und die technische Ausstattung lässt auch für den größten Nerd nichts zu wünschen übrig.
Ein kleines, verstecktes Highlight: hinter eine Türe ist eine kleine, moderne Küche versteckt. Die kann einfach geöffnet werden, dann wird ein Thekenwagen an die Tür geschoben, und schon hat man eine perfekte Bewirtungsmöglichkeit und Essensausgabe für die Gäste.
Denn zum Abschluss der tollen Tour gab es natürlich nochmal Essen. Denn Sie wissen ja – der Mensch lebt nicht vom Wasser allein! 😊
Vielen Dank an Christof Lautner und sein Team, die uns einen unvergesslichen Tag ermöglicht haben!
Und für alle, die Herrn Lautner gerne noch etwas näher kennenlernen möchten, hätten wir hier direkt zum Weiterlesen unser WIT-Interview mit ihm: WIT-Interview mit Christof Lautner
Bis zum nächsten Mal, wenn wir wieder mit Ihnen zusammen auf Reisen gehen, und viele liebe Grüße,
Ihr WIT – Wasser-Info-Team Bayern e.V.
