
WIT: „Hallo Frau Dr. Düsberg, herzlich willkommen zum WIT-Interview! Vielen Dank, dass Sie sich heute Zeit nehmen für uns und unsere Leser und Leserinnen, um mit uns ein bisschen über das Wasser zu plaudern. Und nicht nur das – ich glaube, wir sprechen heute nicht nur über das Wasser, sondern auch über ökologische Landwirtschaft und darüber, wie die diese beiden Bereiche, Wasser und Landwirtschaft, zusammenhängen. Stimmt´s?“
Das WIT-Interview findet wie immer online statt und Frau Dr. Düsberg schaut sehr freundlich in die Kamera. Ihr Hintergrund ist – ganz Profi – kein Büro, sondern eine Grafik mit den Logos der Mitglieder der LVÖ, der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern e.V.
Dr. Stefanie Düsberg: „Sehr gerne und danke für die Einladung. Wir haben uns ja am Neujahrsempfang über Claudia Drescher, die Wasserrechtsreferentin des Bayerischen Gemeindetags kennengelernt. Über sie war auch die Empfehlung für das Interview – weil Wasser ist eigentlich nur ein Teil meiner Arbeit hier bei der LVÖ.“
WIT: „Bevor wir jetzt direkt in die Wasserthemen springen, sollten wir vielleicht zuerst kurz klären, was die LVÖ eigentlich ist. Hätten Sie Lust, uns darüber etwas zu erzählen?“
Dr. Stefanie Düsberg: „Das mach ich gerne. LVÖ steht für die Landesvereinigung für den ökologischen Landbau. Wir sind ein e.V., also wie das Wasser-Info-Team ein eingetragener gemeinnütziger Verein. Wir sind eine Interessenvertretung auf Bayerischer Ebene, und in der LVÖ haben wir vier Mitglieder, nämlich die vier bayerischen Bioanbau-Verbände Bioland, Naturland, Biokreis und Demeter, und wir vertreten deren gemeinsame Interessen gegenüber Politik und Verwaltung.“
WIT: „Das klingt nach großen Aufgaben und viel Verantwortung! Und was ist Ihre Aufgabe in der LVÖ?“
Dr. Stefanie Düsberg: „Meine Rolle ist die der agrarpolitischen Referentin. Das heißt, ich kümmere mich hauptsächlich um die Förderthemen, um KULAP [Anm. der Redaktion: Das Kulturlandschaftsprogramm des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums], ums Vertragsnaturschutzprogramm, aber auch um fachrechtliche Fragen. Da war im vergangenen Jahr die Einführung des Wassercents ein großes Thema, auf das ich mich fokussiert hab. Und so kam ich dann über den ökologischen Landbau zu den Themen Wasserschutz und Wasserschutzmaßnahmen. Hier hatten wir auch eine enge Kooperation mit der Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser, mit Herrn Ehrnsperger und dem leider inzwischen verstorbenen Herrn Mödinger, von dem ich sehr viel gelernt hab. Da haben wir unsere Interessen auch sehr gebündelt, um unsere gemeinsamen Anliegen in Bezug auf den Wassercent voranzubringen.“
WIT: „Ach ja, der Wassercent – fast schon ein Reizthema in der Wasserwirtschaft. Hätten Sie Lust, ein Statement zum Wassercent abzugeben?“
Dr. Stefanie Düsberg (lacht): „Ich kann´s ja mal versuchen… ja. Ja! Ich sag gerne was zum Wassercent. Grundsätzlich sehen wir das positiv, dass er eingeführt wird. Wir hatten nur einige Bedenken vorgebracht, insbesondere auf die Gruppen, die einbezogen werden und dass es nicht ganz fair ist, wenn bestimmte Gruppen außenvor gelassen werden. Und der zweite Punkt, der für uns besonders interessant ist, ist die Verwendung der Fördermittel. Da sind wir auch gemeinsam mit dem VKU [für alle Interessierten geht es hier zum WIT-Interview mit dem VKU] an das Ministerium herangetreten, weil uns der Landschaftswasserhaushalt sehr am Herzen liegt. Um hier die Kurve zum ökologischen Landbau hinzubekommen: Wir denken, dass es ein besonders einfaches und bürokratiearmes Instrument für die Wasserversorger wäre, hier auf ökologischen Landbau zu setzen, weil er ja schon in einem Kontrollsystem auf die Einhaltung bestimmter Vorgaben überprüft wird. Und die Vorgaben, die für die Wasserversorger besonders interessant sind, sind der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und mineralische Stickstoffdünger und die Deckelung der Stickstoffgaben, die pro Jahr und Hektar zulässig sind. Das ist sozusagen ein Komplettpaket, das der Ökolandbau den Wasserversorgern anbieten kann, ohne dass sie zusätzlich Kontroll- oder Überwachungsmaßnahmen einführen müssen. Man kann das Ganze noch kombinieren mit weiteren Auflagen, aber dieses Grundpaket wäre so schon mal ohne zusätzlichen Arbeitsaufwand vorhanden. Das ist grade in Bayern mit unserer kleinstrukturierten Versorgungslandschaft sehr wertvoll, weil viele kleine Versorger gar nicht die Kapazitäten und die Ressourcen haben, um solche Systeme selber aufzustellen.“
WIT: „Das ist ja ein Interview und gleich noch ein Blogbeitrag für uns! Das ist „Edutainment“ ganz nach unserem Gusto! Wirklich toll, was wir jetzt schon in dieser kurzen Zeit gelernt haben! Wie sind Sie eigentlich zu Ihrer Arbeit bei der LVÖ gekommen?“
Dr. Stefanie Düsberg: „Bis zu meiner jetzigen Tätigkeit bei der LVÖ waren viele Zwischenschritte. Ich komme nicht aus der Landwirtschaft, ich bin Münchnerin. Ich hab mich schon immer für Umweltschutz interessiert, und wenn man der Umwelt etwas Gutes tun will, gibt es viele Ansatzmöglichkeiten im Bereich Land- und Forstwirtschaft. Und so kam ich dann eben über ein Gartenbaustudium und über einen Master im Bereich Umweltschutz und Raumordnung zu dem Thema nachhaltige Landnutzung.“
WIT: „Das ist richtig cool! Wie ist eigentlich die Beziehung zwischen konventioneller Landwirtschaft, dem Bayerischen Bauernverband und dem Ökolandbau?“
Dr. Stefanie Düsberg: „Die Mitglieder im Bauerverband sind Betriebe aus der konventionellen wie auch aus der ökologischen Landwirtschaft. Daher finden auch dort Themen des Ökolandbaus ihren Platz.“
WIT: „Und wie viele Ökolandbau-Betriebe gibt es in Bayern?“
Dr. Stefanie Düsberg: „Aktuell betreiben rund 11 Prozent der bayerischen Betriebe ökologischen Landbau. Meine Wunschmarke wären 100 Prozent – warum auch nicht? Man sieht ja, dass Biolandwirtschaft funktioniert. Es gibt immer Dinge, die man weiter verbessern kann – es gibt Betriebe, die das hervorragend umsetzen, ich denke mir immer, warum braucht es dann den konventionellen Anbau? Unser Ziel auf bayerischer Ebene sind 30 Prozent Biolandwirtschaft bis 2030, aber das werden wir voraussichtlich nicht schaffen. Da ist noch Luft nach oben – auch deswegen wollen wir die Wasserversorger gewinnen. Darüber könnten wir die Fläche noch deutlich ausweiten.“
WIT: „Und wie könnte man das schaffen?“
Dr. Stefanie Düsberg: „Es gibt eine aktuelle Masterarbeit zu diesem Thema mit der Formulierung „Win-Win-Situation“ im Titel. Das trifft es sehr gut – Trinkwasserschutzgebiete mit Ökolandbau wären eine optimale Möglichkeit, die Herausforderungen der Versorger im Bereich Wasserschutz auf diesem Weg zu lösen. Viele Wasserversorger sind hier sehr offen, die machen das schon in sehr vielen Bereichen. Ein Paradebeispiel sind die Stadtwerke München: In deren Wassergewinnungsgebieten wird eng mit dem Ökolandbau zusammengearbeitet. Prädestiniert für diese Art von Zusammenarbeit sind die Ökomodellregionen. Dort gibt es jeweils einen Manager, der Veranstaltungen und Betriebsbesichtigungen organisiert, sich um den Aufbau von Wertschöpfungsketten kümmert und das Prinzip Ökolandbau vorstellt. Das wird gefördert über das Bayerische Landwirtschaftsministerium – in den Kommunen wird eine solche Managerstelle geschaffen. Im Laufe der Zeit müssen die Kommunen dann nach und nach in die Finanzierung der Stelle einsteigen, damit das dann dauerhaft laufen kann.“
WIT: „Das sind wirklich hochspannende Themen, die zu einer echten Veränderung im Bereich Umweltschutz und Wasserschutz führen könnten! Und es ist im wahrsten Sinne des Wortes ein weites Feld, mit dem man sich ein Leben lang auseinandersetzen und immer noch mehr lernen könnte! Und wir stehen bei all diesen Veränderungen aktuell erst am Anfang – man dachte ja lang, die Probleme der Wasserversorgung kann man mit immer noch mehr Technik lösen. Die Zusammenhänge zwischen Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Klimawandel, Mikroklima und Wasserqualität werden Gesellschaft und Politik erst nach und nach bewusst. Dass es mittlerweile so viele konkrete Lösungsvorschläge für den Schutz unseres Wassers gibt, macht auf jeden Fall große Hoffnung für die Zukunft. An dieser Stelle ist jetzt vielleicht ein guter Zeitpunkt, um zu der Frage überzuleiten, die wir jedem und jeder unserer Interviewpartner*innen stellen: Was ist denn Ihr ganz persönliches Wasser-Lieblingsthema?“
Dr. Stefanie Düsberg: „Meinen Sie beruflich oder privat?“
WIT: „Das ist lustig – das fragen tatsächlich ganz viele unserer Gesprächspartnerinnen. Und das darf jeder und jede natürlich so beantworten, wie er oder sie will. Und manchmal fließt das ja auch richtig ineinander – Wasser ist ja wirklich unser Lebenselixier.“
Dr. Stefanie Düsberg: „Dann würde ich sagen: auf einer beruflichen Ebene ist es das Grundwasser. Denn die Grundwasserqualität hängt so stark von der Oberflächenbewirtschaftung ab. Und Privat ist es Schwimmen und ins Wasser eintauchen. Es ist für mich ein Kraftspender. Ob See, Meer oder Schwimmbad – Eintauchen ist toll!“
WIT: „Das ist eine wundschöne Antwort! Und damit sind wir schon bei der letzten und fast wichtigsten Frage angekommen: Was ist Ihre Botschaft an unsere Leserinnen und Leser?“
Dr. Stefanie Düsberg überlegt nicht lange: „Meine Botschaft bezieht sich auf das Thema Einkaufen: Wenn man im Supermarkt einkaufen geht, und Bio-Produkte kauft, betreibt man damit auch Wasserschutz! Ja, man zahlt ein bisschen mehr, aber man hat damit auch etwas Gutes getan. Es würde mich sehr freuen, wenn diese Botschaft Ihre Leserschaft erreicht – mir selbst macht es viel Freude, Bio-Produkte zu kaufen, weil man so das Nützliche mit dem Guten verbindet.“
WIT: „Das ist wirklich eine sehr gute Botschaft – und die hatten wir in mittlerweile 6 Jahren WIT-Interviews noch nie. Vielen Dank für die ausgesprochen guten Tipps und Impulse und das inspirierende Gespräch! Und wir wünschen weiterhin viel Erfolg dabei, so viele Wasserversorger wie möglich für Biolandbau in ihren Wasserschutzgebieten zu begeistern.“
Dr. Stefanie Düsberg: „Der Dank ist ganz meinerseits – auch im Namen der LVÖ. Viele Grüße an das Wasser-Info-Team Bayern und seine Mitglieder. Und falls ein Versorger Interesse hat an Informationen, beraten wir jederzeit gerne. Bis bald und alles Gute!“
>> Für alle Wasserversorger, aber auch für alle Verbraucherinnen und Verbraucher, die sich umfassender informieren möchten: Der LVÖ stellt Ihnen unter www.lvoe.de weitergehende Informationen zur Verfügung, oder Sie kontaktieren direkt stefanie.duesberg@lvoe.de
