Abschlussbericht zum Runden Tisch Wasser – verschwinden die Ergebnisse in dessen Schublade?

Im Sommer 2023 hat die Bayerische Staatsregierung den „Runden Tisch Wasser“ ins Leben gerufen. Auch wir vom Wasser-Info-Team Bayern e.V. waren als Teilnehmer im Arbeitsbereich 4 dabei, dem Bereich „Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit“. Nach zweieinhalb Jahren des gemeinsamen Austauschs war im Dezember Schluss mit der Zusammenarbeit – zumindest vorerst.

Die Bayerische Staatsregierung betont in ihrem Abschlussbericht aus dem Dezember 2025, dass der Runde Tisch Teil eines langfristigen Prozesses ist bzw. war, der sich auf die „Wasserzukunft Bayern 2050“ bezieht. Auf der Homepage des Bayerischen Umweltministeriums steht zur Erklärung der „Wasserzukunft Bayern 2050“: Dies ist die integrale Strategie der bayerischen Wasserwirtschaftsverwaltung zur mittel- bis langfristigen Bewirtschaftung unserer Wasserressourcen, die für bislang absehbare Folgen des Klimawandels und weitere Veränderungsfaktoren  Anpassungsmaßnahmen ableitet. Sie umfasst die vier strategischen Bereiche Wassersicherheit (Trockenheit und Dürre), Hochwasserschutz, Ökologie und Sozialfunktion.“

Es geht also um einen langfristigen Ansatz, der Wasser in seinen vielfältigen Facetten betrachtet und der dafür sorgen soll, dass Bayern trotz deutlicher bereits aufgetretener und noch zu erwartender Auswirkungen des Klimawandels und anderer schädlicher Faktoren, auch in Zukunft noch genügend Wasser für alle Menschen und alle Bereiche zur Verfügung hat. Der Aspekt der kommunalen Wasserversorgung wird dabei (zum Glück) als vorderste Priorität immer wieder betont. Aber auch alle anderen Punkte, bei denen Wasser eine zentrale Rolle spielt, werden dabei mitgedacht. Entsprechend der Punkte aus der „Wasserzukunft Bayern“ wurde der Runde Tisch in vier Arbeitsbereiche (Abs) eingeteilt:

AB 1 – Sicherung der prioritären öffentlichen Wasserversorgung in Bayern

AB 2 – Klimaresiliente Land- und Forstbewirtschaftung und Flurgestaltung, Landschaftswasserhaushalt und Grundwasserneubildung

AB 3a – Urbane Entwicklung

AB 3b – Industrie

AB 4 – Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

Für alle Bereiche gab es verschiedene Workshops und Veranstaltungen in Präsenz und online, bei denen alle eingeladenen Akteure äußerst engagiert mitarbeiteten. In „unserem“ Bereich waren Vertreterinnen und Vertreter der unterschiedlichsten Interessensgemeinschaften – vom bayerischen Kanuclub über den Bayerischen Lehrerverband, den Bauernverband, die Architektenkammer, die Ingenieurekammer, und viele weitere mehr. Die Präsenzveranstaltungen waren rundum gelungen: Alle Anwesenden einte das Bewusstsein, dass Wasser etwas Elementares und Schützenswertes ist, dass es höchste Priorität in Politik und Gesellschaft verdient, und alle waren voller Eifer mit vielen guten Ideen dabei, für unser Wasser ins Tun zu kommen.

Auch in den anderen Arbeitsbereichen wurde hart gearbeitet, diskutiert, um Lösungen gerungen. Die Ergebnisse dieser langjährigen Arbeit, der unzähligen Diskussionen, der Vorsprachen beim Ministerium sind leider etwas ernüchternd.

Die große Expert*innen-Runde wurde einberufen, weil die Wasserwirtschaft in Bayern vor tiefgreifende Herausforderungen steht. Durch den Klimawandel kommt es zu einer Zunahme von Dürreperioden, zu Hitzewellen, zu vermehrten Starkregen- und Hochwasserereignissen. Außerdem verzeichnet Bayern (natürlich nicht nur Bayern, diese Phänomene kann man weltweit beobachten) einen besorgniserregenden Rückgang der Grundwasserneubildung und einen Anstieg der Wassertemperaturen. Nutzungskonflikte zwischen Trinkwasserversorgung, Landwirtschaft, Industrie und Energieerzeugern sind nur einige der Auswirkungen, die diese Veränderungen auf Land und Gesellschaft haben werden oder könnten. Neben klimatischen Einflüssen verschärfen jahrzehntelange Eingriffe in Landschaft und Wasserhaushalt die Situation.

Diese vielen Baustellen müssen angegangen werden – einigermaßen schnell und mit Nachdruck. Wenn das Wasser einmal weg ist, ist es schwer bis unmöglich, es wieder „einzufangen“. An manchen Stellen würde das schon gehen, das Wasser zurückzubringen in die Landschaft und damit in die Wasserwerke, auf Felder, in Flüsse und Seen. Aber all diese Maßnahmen (siehe zum Beispiel unseren Blogbeitrag „Wir müssen in der Vegetationszeit Wasser anbauen“) können nur langfristig angegangen werden und es sind eine Menge Geld, KnowHow und Arbeitskräfte nötig, um das Wissen, das wir heute schon längst haben, umzusetzen.

Und hier kommt unsere Einstiegsfrage ins Spiel – der Runde Tisch brachte viele Erkenntnisse für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit hat einmal mehr bewiesen: Eine Gruppe von Menschen ist immer mehr als die Summe ihrer Teile. Aber was macht die Staatsregierung nun mit diesen Erkenntnissen? Die „Wasserzukunft Bayern“ bleibt in ihren Aussagen oft sehr vage. Es gibt keine fixen Daten für bestimmte, laut den Expertinnen und Experten, dringend benötigte Maßnahmen. Es gibt keine Finanzierungszusagen und zum Beispiel auch die Frage, wohin die Einnahmen des „Wassercents“ fließen werden, bleibt bis dato ungeklärt. Die Bayerische Staatsregierung sagt selbst in ihrem Strategiepapier, dass die Wasserressourcen in unserem Land unter Druck sind. Sie stellt ein 5-Säulen-Modell auf, das die Widerstandsfähigkeit des Wasserhaushalts stärken soll. Diese fünf Säulen sind: Wasser speichern, Wasser verteilen, Wasser schützen, Wasser schätzen und Wasser gesamtstaatlich denken. Angesichts der Tatsache, dass es beim Thema Umwelt- und Wasserschutz in vielen Bereichen schon fast zu spät sein könnte für die Rettung, und oftmals überhaupt nur noch Schadensbegrenzung betrieben werden kann, bleibt ein Abschlussbericht, der mehr dokumentiert und kommentiert, als handfeste Zusagen für Umsetzungsstrategien gibt, deutlich hinter den Erwartungen derer zurück, die zweieinhalb Jahre lang hart für unser Wasser gekämpft haben.

Hoffen wir, dass am Ende aus den formulierten Empfehlungen doch noch konkrete Strukturveränderungen entstehen. Der Runde Tisch könnte hier jedenfalls ein sinnvoller Auftakt gewesen sein. Solange dessen Ergebnisse eben nicht in der Tisch-Schublade verschwinden.

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